2019, gelatine silver print, 55 x 70 cm
2019, gelatine silver print, 55 x 70 cm




 






































      Drei Holzhütten am Waldrand, zwischendrin eine Art Gartenanlage.

    Beim Betreten einer der Hütten geht, durch einen Bewegungsmelder ausgelöst, gedämpfte Beleuchtung und Musik an. Es beginnen sich Discokugeln zu drehen und es ertönen sphärische Klänge mit Gesang. Es ist trotz der Musik hermetisch still, wie eine Winternacht.

      Von innen wirkt der Raum auf eine seltsame Weise größer als erwartet. Es riecht nach kalter Luft und modrigem Holz. Der verstaubte Holzboden auf dem man in schmalen Pfaden geführt wird, gibt dumpf nach. Überall sind ausgestopfte Tiere zu entdecken, drapiert zwischen Kitsch und Sammelobjekten, Lampen und Kunstschnee, als wären sie ganz selbstverständlich schon immer hier gewesen. Unter den Tieren befinden sich nicht nur heimische, es wurden in die Landschaft gesetzt: Wildschweine, Rehe, Reiher, Bussarde, Eichhörnchen, Ziegen, Hunde, Katzen, Marder, ein Pferd, ein Puma, Hirsche und sogar ein Bär. Auf den Balken an der Decke und in den Ecken kleinere Tiere; Mäuse, Siebenschläfer, Vögel. Zwischen allem eine breite Palette an verworfenen, verlorenen und vergessenen Gegenständen, man könnte auch sagen: Antiquitäten und Sammlerstücke. Die Hütten sind von innen und außen flächendeckend geschmückt mit Ölgemälden in großen goldenen Rahmen, bemalten Tellern, Plastikpflanzen, Spiegelmosaiken, Fellen, Stoffen, zwischen den Tieren getrocknete Pflanzen, Lichterketten, Moos, historischen Werkzeugen und ganzen Kutschen mit Schaufensterpuppen darin. Die überbordende Dekoration sucht sich ihren Weg nach draußen und verbindet mehrere Hütten zu einem Gesamtobjekt.

    Ob der Ort den Tieren oder den Gegenständen gehört, scheint ungeklärt. Genau wie die eigentliche Intention der sich unaufhaltsam räumlich ausbreitenden Ansammlung von Dingen. Und dennoch: der Ort wirkt in seiner Erscheinung wie ein Trost für die Welt und ihrem Schicksal. Alles hat seinen Platz, alles darf sein – alles ist schön. Die Welt draußen hat hier drinnen keinen Platz und wird mit Kunstschnee und Entspannungsmusik des Ortes verwiesen.

    Ich bin neugierig und empfinde so etwas wie Zynismus. Ich kenne dieses „Museum“ schon seit meiner Kindheit und habe es oft besucht. Ich gehe mit meiner Kamera in die Hütten und suche das, was sich hinter dem Zauber verbirgt. Ich möchte freilegen, was Jemanden dazu bewegt, seine Zeit diesem Ort zu widmen, für dieses Projekt zu leben und wie diese Person empfindet. Ich fotografiere mit hartem Blitz und auf Schwarzweißfilm, was eigentlich genau das Gegenteil zur vorgefundenen Situation bedeutet. Ich möchte alles eliminieren was an Stimmung da ist. Vielleicht zeigt sich durch die zwei Extreme, die ich auf diese Weise erfahre, eine Art Nullpunkt an dem etwas sichtbar wird? Ähnlich einem Skelett, das nichts persönliches mehr von einem Menschen übrig lässt.

    Auf den ersten Abzügen erkenne ich neue, bis jetzt nur gedachte Bilder. Im Blitzlicht scheinen die Tiere für einen kurzen Augenblick lebendig geworden zu sein, und dennoch verweist die seltsame Kulisse ganz deutlich auf ihren Zustand. Die Zeit steht noch stiller als in echt. Und das vermeintlich schöne ist plötzlich einer Art Schrecken gewichen und es wird etwas sichtbar, was mir später zum Schlüssel wird als ich jenen kennen und ein bisschen verstehen lerne, der den Ort erschaffen hat.